Logo Dr. Kristin Endres MSc Zahnarzt Darmstadt

Sind Dental Kleber giftig

Kronen und F√ľllungen aus Keramik werden mit Klebern auf Kunststoffbasis in den Z√§hnen im Mund verklebt. Sind diese Dental Kleber giftig?

"Alle Dinge sind Gift und nichts ohne Gift, allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist.

Paracelsus (1493-1541)

Leider wird in vielen Berichten zu Toxizit√§tsfragen v√∂llig au√üer acht gelassen, da√ü jede Substanz toxisch ist, wenn sie in gen√ľgend hoher Konzentration auftritt. Der fundamentale Satz, den Paracelsus im 16. Jhd. pr√§gte, hat nichts von seiner G√ľltigkeit verloren
 
Stellungnahme der Vivadent Dental GmbH zur Thematik "√Ėstrogene aus Komposits"

In den letzten Wochen und Monaten wurde in der Tagespresse immer wieder in sehr unsachlicher Weise, die stark an die Amalgamdiskussion erinnert, √ľber angebliche Gesundheitsgef√§hrdungen durch Zahnf√ľllungsmaterialien auf Kompositbasis berichtet

Schlagzeilen wie "Gefahr aus der Plastikplombe: Forscher wiesen √Ėstrogene nach" oder "Krebsgefahr durch Kunststoffe im Zahn" haben Patienten und Zahn√§rzte sehr stark verunsichert.

Bei der t√§glichen Informationsflut √ľber gef√§hrliche Stoffe in Luft, Wasser, Boden, in der Nahrung und der Kleidung, in Arzneimitteln oder auch in Zahnf√ľllungsmaterialien ist es f√ľr den einzelnen sehr schwer nachvollziehbar, ob und wann durch bestimmte Einfl√ľsse und Stoffe eine Gesundheitsgef√§hrdung m√∂glich ist.

Über die tatsächliche Toxizität einer Verbindung entscheidet also u.a. die auftretende Konzentration und in starkem Maße auch die Toxikokinetik mit ihren Teilprozessen Invasion (Resorption und Verteilung) und Evasion (Biotransformation und Ausscheidung).

Moderne Analysemethoden erm√∂glichen es heute, Stoffkonzentrationen bis in den Nanogrammbereich zu ermitteln. Der pauschale Schlu√ü allein von der Nachweisbarkeit einer Verbindung in geringsten Konzentrationen z.B. in der Nahrung, in Zahnf√ľllungsmaterialien... auf ihre physiologische Wirkung ist aufgrund o.g. Aussagen nicht m√∂glich.

Prinzipiell ist zu den Bef√ľrchtungen, durch Komposits Gesundheitssch√§den zu erleiden, aus Sicht der Vivadent Dental GmbH folgendes zu sagen:

Generell werden alle Vivadent-Materialien vor ihrem klinischen Einsatz sehr strengen toxikologischen Pr√ľfungen gem√§√ü EN 30993-1 unterzogen. Dabei handelt es sich u.a. um Tests auf Zytotoxizit√§t, Sensibilisierung, subchronische Toxizit√§t und Mutagenit√§t. Diesen Untersuchungen schlie√üen sich klinisch kontrollierte Pr√ľfungen nach EN 540 unter √úberwachung durch eine Ethikkommission an. Erst nachdem all diese Daten vorliegen und den Produkten toxikologische Unbedenklichkeit sowie Funktionsf√§higkeit bescheinigen, werden sie auf den Markt gebracht. Langj√§hrige positive klinische Erfahrungen mit Vivadent-Materiation zeigen deren hohen Sicherheitsstandard

Um jedoch zu den aktuell diskutierten Themen wie "√Ėstrogene aus Komposits" und "Formaldehydfreisetzung aus Komposits" verantwortungsvoll und mit konkreten Daten Stellung zu nehmen und den st√§ndigen, regelrechte Materialangst erzeugenden Berichten entgegenwirken zu k√∂nnen, hat Vivadent zus√§tzlich umfangreiche analytische Untersuchungen an den Komposits Hallomolar und Tetric und am Kompomer Compoglass durchgef√ľhrt.

Die Untersuchungen und Ergebnisse sind zusammen mit einer Wertung der vorangegangenen Vorw√ľrfe im folgenden dargestellt.

1. √Ėstrogene Wirkung und Krebsgefahr durch Bisphenol A, freigesetzt aus Komposits

Ausgangspunkt

Ausgangspunkt f√ľr die o.g. Schlagzeilen war eine spanische Studie aus der Arbeitsgruppe von Prof. Olea, die untersuchte, ob und wieviel Bisphenol A aus kunststoffbeschichteten Konservondosen in die konservierte Nahrung abgegeben wird. In den Dosen wurden zwischen 4 und 23 Mg Bisphenol A gefunden /1/. Danach wurden auch andere m√∂gliche Bisphenol A-Quellen, darunter Zahnf√ľllungsmaterialien, untersucht.

Aus der seit 1944 bekannten Tatsache, daß Bisphenol A eine gewisse östrogene Wirkung aufweist und in einem unausgehärteten Fissurenversiegler diese Verbindung gefunden wurde, konstruierte die Laienpresse einen Zusammenhang zwischen Krebsgefahr und Versorgung mit Komposites. Diese aus der Olea-Studie gezogene Schlußfolgerung ist jedoch falsch.

Zun√§chst mu√ü prinzipiell klargestellt werden, da√ü √Ėstrogene bzw. Verbindungen mit einer √∂strogenen Wirkung nicht krebserregend sind. Im Gegenteil: Von der Antibabypille, welche √∂strogene Substanzen enth√§lt, ist bekannt, da√ü sie hemmend auf bestimmte Krebsarten wirkt. Es sei au√üerdem erw√§hnt, da√ü jeder Mensch k√∂rpereigene √Ėstrogene produziert, Frauen in Abh√§ngigkeit vom Menstruationszyklus zwischen 80 und 320 mg /Tag, M√§nner ca. 20 ‚Äď 40 mg /Tag /2/.

Fragestellung

Wenden wir uns nun der Frage zu, wie es möglich ist, daß Bisphenol A aus Komposits freigesetzt werden kann.

In Vivadent-Komposits wird Bisphenol A nicht eingesetzt und konnte nach internen Messungen auch nicht als Verunreinigung des Bis-GMA, das mit Basis-Monomer f√ľr die Komposits Tetric und Heliomolar dient, gefunden werden.

Um zu √ľberpr√ľfen, ob eventuell aus den polymerisierten Materialien Tetric, Holiomolar und Compoglass durch den Einflu√ü des Mundmilieus Bis-GMA hydrolytisch zu Bisphenol A gespalten und freigesetzt werden kann, wurden folgende Untereuchungen durchgef√ľhrt.

Untersuchung

Aus den Materialien Tetric, Heliomolar und Compoglass wurden jeweils 4 zylindrische Probek√∂rper mit einem Durchmesser von 20 mm und einer H√∂he von 5 mm hergestellt, polymerisiert und schlie√ülichdie inhibierte Schicht entfernt. Die Probenabmessungen wurden so gew√§hlt, da√ü eine m√∂glichst gro√üe Oberfl√§che f√ľr die postulierte Reaktion zur Verf√ľgung steht und, falls die Bis-GMA-Hydrolyse abl√§uft, me√übare Konzentrationen Bisphenol A entstehen k√∂nnen. Zur Simulation des Mundmilieus wurden w√§ssrige L√∂sungen, die mit Puffersystemen auf ph=4,2 und ph=7,2 eingestellt wurden, hergestellt und die Proben f√ľr 72 h bei 37 ¬įC in diese L√∂sungen geh√§ngt und leicht gesch√ľttelt.

Danach wurden die L√∂sungen mit hochaufl√∂sender Fl√ľssigchromatographie (HPLC) untersucht. Die Nachweisgrenze f√ľr Bisphenol A liegt bei dieser Methode bei 0,1 mg/ml Eluent. Es besteht also die M√∂glichkeit, in einem ml o.g. L√∂sung die Winzigkeit von 0,1 mg Bisphenol A aufzusp√ľren. Zur Verdeutlichung: 1 mg entspricht dem millionsten Teil eines Gramms.

Ergebnis

Es konnte in den Elutionsl√∂sungen f√ľr Heliomolar, Tetric und Compoglass weder im sauren noch im neutralen Milieu Bisphenol A nachgewiesen werden. Diese Ergebnisse decken sich mit den Untersuchungen von Herrn Dr. Spaht, der in seiner 1995 fertiggestellten Dissertation "Analyse Zahnmedizinischer Komposits auf extrahierbare Restmonomere und Additive..." /7/ f√ľr u.a. das Komposit Heliomolar ebenfalls kein Bisphenol A finden konnte.

Analogieschl√ľsse auf die Befestigungskomposits Variolink und Dual-Cement sowie auf die Fissurenversiegter Helioseal und Helioseal F sind aufgrund der den o.g. Komposits sehr √§hnlichen Monomerzusammensetzungen zul√§ssig.

Schlußfolgerung

Die vermeintliche Bedrohung durch Bisphenol A ist bei Vivadent-Komposits nicht vorhanden, da keine nachweisbaren Anteile aus den Materialien extrahierbar waren. Eine Hydrolyse von Bis-GMA zu Bisphenol A findet nicht statt.

2. Formaldehydfreisetzung aus Komposits

Die in letzter Zeit h√§ufig wiederkehrende Aussage, Komposits setzen Formaldehyd frei, geht √ľberwiegend auf Arbeiten von H. Oysed und Mitarbeiter zur√ľck, die aus Komposits sehr geringe Konzentrationen von ca 0.15 mg/cm2 und 0,5 mg/cm2 Formaldehyd extrahieren konnten /3/./4/. Um festzustellen, ob und in welchem Ma√üe eine solche Formaldehydfreisetzung aus Komposits tats√§chlich stattfindet, wurden wiederum die Komposits Tetric und Heliomolar sowie das Kompomer Compoglass untersucht. Die Probenherstellung und -vorbereitung erfolgte analog zur Bisphenol A-Bestimmung. Es wurden analoge Elutionsl√∂sungen verwendet und die Proben ebenfalls 72 h bei 37 ¬įC in diesen L√∂sungen gelagert. Nach dem Entfernen der Proben wurden die Elutionsl√∂sungen mit 2,4-Dinitrophenylhydrazin (DNPH) versetzt. DNPH ist in der Lage, mit Formaldehyd zu reagieren und eine Verbindung zu bilden, die einen quantitativen Nachweis mit HPLC erm√∂glicht. Dabei k√∂nnen geringste Konzentrationen bis zu einer Nachweisgrenze von 10 ng/cm2 erfa√üt werden. Zur Verdeutlichung dieses Wertes: Man stelle sich vor, aus einer Milliarde Menschen 10 bestimmte Personen herauszufinden.

Ergebnis

F√ľr die beiden Komposits und das Kompomer konnte im neutralen Bereich kein Formaldehyd gefunden werden. Im sauren Milieu ergaben sich f√ľr alle untersuchten Materialien geringste Konzentrationen von ca. 0,035 mg/cm2.

Schlußfolgerung

Dank der in den Vivadent-Labors zur Verf√ľgung stehenden modernsten Analysentechnik war es m√∂glich, geringste Mengen an Formaldehyd nachzuweisen.

Ber√ľcksichtigt man, da√ü z.B. in einer Scheibe unseres t√§glichen Nahrungsmittels Brot ca. 185 mg Formaldehyd enthalten, in einer Cola durchschnittlich sogar ca. 2000 m g und in einem Liter Milch ca, 164 mg /5/ Formaldehyd zu finden sind, k√∂nnen die f√ľr die Dentalmaterialien ermittelten Werte vernachl√§ssigt worden.

Zusammenfassend l√§√üt sich feststellen, da√ü die eingangs getroffene Aussage, "bei sachgem√§√üer Anwendung der Materialien kann ein Gesundheitsrisiko f√ľr Patienten praktisch ausgeschlossen werden", durch die hier vorgestellten Untersuchungen unterst√ľtzt wird.

Die Aussage von Prof. Staehle im Deutschen √Ąrzteblatt /6/ kann nur unterstrichen werden: "Es d√ľrfte inzwischen eine nicht zu untersch√§tzende Anzahl von Patienten geben, die weniger durch die Inhaltsstoffe der Dentalmaterialien sondern vielmehr durch die Angst vor diesen Inhaltsstoffen krank geworden sind".

Im Interesse einer optimalen Versorgung der Patienten ist es dringend erforderlich, die Diskussion zum F√ľr und Wider von Dentalmaterialien von der emotionalen Ebene zur√ľck auf die wissenschaftliche Ebene zu verlagern.F√ľr Vivadent bedeutet

wissenschaftliches verantwortungsbewußtes Herangehen an diese Thematik, daß allen auftretenden toxikologischen Fragen zu den Materialien mit fundierten Untersuchungen nachgegangen wird.

Vivadent Dental GmbH, LA. Dr. Monika Reichenbach, Wissenschaftlicher Dienst, Ellwangen, den 09.02.1996